CIG und Freunde auf Besuch: Neuer Bahnhof Bern

Ein gewaltiger Umbau steht vor der Tür. 270’000 Personen sind pro Werktag betroffen. Ausgeführt wird er für die 370’000 Personen, die den Bahnhof Bern in zwölf Jahren täglich benutzen werden. Der Spatenstich wurde schon gemacht, neue Strassen und Fahrradwege angelegt. Rund um die Länggasse wird planiert und gerodet. Dies um Platz zu schaffen für Material, Maschinen und Personal – die Baustelleninstallation wird erstellt für dieses Projekt. Welches auf knapp eine Milliarde Franken berechnet ist und ein weiterer Versuch sein wird den Bundeshauptstadtbahnhof praktikabel zu gestalten. Die Platzverhältnisse bleiben eng, die Umstände – in einer Kurve liegend am Fusse des “Hogers Länggasse” – ungünstig.

Der Pendler wird zukünftig direkter auf die Trams am Hirschengraben umsteigen können. Durch den dritten Gleiszugang mit Ausgang Bubenbergzentrum. Mehr Platz wird er vorfinden wenn er einen RBS-Zug nimmt, tief in der Erde im neuen Tiefbahnhof. Die Intercity-Reisenden werden ihren Ausstieg auf Gleis 9/10 haben, wo sie eine Passerelle, längs des Perrons zur bestehenden Welle führt.

Interessierte, wie die Mitglieder der CIG, können zur Zeit den Besucherpavillon auf Höhe Kurzparking, Ausgang Grosse-Schanze-Lift besichtigen. Schlicht, doch schön gestaltet, wird der Besucher in die Geschichte des Standortes eingeführt. Ein jeder, jeden Alters bleibt hängen, lässt sein Rushhour-Tempo liegen und macht eine Zeitreise, angeregt vom eigenen Interesse und Staunen. Angefeuert durch Momente der Wiedererkennung, fühlt er sich langsam ganz wohl und macht unmerklich den Schritt in die Zukunft. Ein grosses Modell des Bahnhofs Bern 2030 steht vor ihm. Es lockt ein Rundgang mit virtueller Brille – weiteres Staunen, höchst beeindruckende Zukunftsmusik, die da nebenbei offeriert wird. Der Pavillon ist schlichtweg gelungen und verdient einen Besuch – ein passender Lückenfüller im Taktfahrplan.

Das Projekt selber vermag die Herren der CIG nicht restlos zu überzeugen. Wird da mit genügend grosser Kelle angerührt? Die unglückliche Erscheinung, dass der Bahnhof weiterhin durch das Liegen in einer Kurve geprägt sein wird, bleibt unverändert. Ein Nachteil, den weiterhin nur gehbehinderte Passagiere erfahren. Die Fussgängerunterführungen erscheinen in der Simulation zu erdrücken, viele Säulen die den Weg säumen werden. Es mag den Charme eines Grossstadt-Metro-Systems entstehen, mit Rolltreppenlängen, die wir uns nicht gewohnt sind. Kontrastreich: so leichtfüssig und zielgerichtet der Pavillon den Sprung in die Zukunft macht, so bleischwer präsentieren sich die visionären Fassaden der Zukunft – welche allerdings im heutigen gestern stehen geblieben sein werden. Nichts von einem gekonnten und wohlwollenden Andocken an bestehende Bauten wie der Welle, noch an Berns grössten Trumpf – die Stadt im Grünen. Der präsentierte Neubau lässt Visionäres gänzlich vermissen. Keine Spur von präsentierter Nachhaltigkeit und Einbezug erneuerbarer Energien noch von Bezug zu warmen Materialien. Der Baustoff Holz, atmendes Grün und Energie spendendes Licht fehlt – (noch).