Besuch der Hauptversammlung von Radio Bern RaBe

Für die CIG hat sich ein spontaner Sozialevent Anfang Mai mit dem Besuch der Hauptversammlung des charakterstärksten Radios der Schweiz Radio Bern RaBe ergeben.

Fast die Mehrheit unseres Vereins wurde persönlich in den Kinosaal der Reitschule Bern eingeladen. Dort versammelte sich ein kleiner Kreis der Mitglieder um über Budget und Anträge abzustimmen und über das aktuelle Geschehen des Vereins informiert zu werden. Ob hier mehr Zuhörer oder mehr RaBe-Sendungsmachende zugegen waren bleibt unklar. Auf jeden Fall fand man eine heitere Stimmung vor – unterstützt durch einen simplen Barbetrieb.

Doch Spannung war vorprogrammiert – denn ein Sendungsmachender, welcher von der Programmkommission aufgrund zu stark verallgemeinernden Äusserungen und Nichteinhalten von journalistischen Grundregeln ausgeschlossen wurde, wollte per Entscheid der Hauptversammlung seine Sendung wieder bei RaBe einführen. Dies stellt ein Novum in der Geschichte dieses Radios dar und dazu mit Anwesenheit der CIG. Dieser Ausschluss überrascht sehr, lebt das Radio doch von einer regen und vor allem unentgeltlichen Teilnahme. Es gilt also Herzblut hineinzustecken, ähnlich der Aufopferung, welche CIG-Mitglieder für ihren Verein aufbringen. Dadurch entstehen teils pittoreske, teils spannende Sendungen. Erstere können einem nicht selten zu einem Frequenzwechsel nötigen. So muss dies auch vielen Zuhörern von “Alfred’s Wash Machine” ergangen sein: eine politische Stammtischsendung. Mehr dazu später im Text.

Es wurde ganz flott durch den Abend geführt, der Moderator kündigte eine speditive Abwicklung an. Die Wieder- und Neuwahlen gingen erfreulich und ohne Diskussionen über die Bühne.

Dann ging es los.

Der Sendungsverantwortliche der gerügten Sendung, wurde angehalten zuerst eine Erklärung abzugeben um die versammelten Mitglieder zu überzeugen den Entscheid der Programmkommission, die Sendung abzusetzen, aufzuheben.

Es gelang ihm sehr, Emotionen hervorzurufen – was nicht verwundert, steckt von ihm viel Herzblut dadrin. Die Erklärung verkam zu einem Plädoyer, wo mitnichten der zu fällende Entscheid zu einem Grundsatzentscheid hochstilisiert wurde: fängt RaBe an zu zensurieren?

Es kam die Programmkommission zu Wort, welche für die Einhaltung der Qualitätsanforderungen zuständig ist.

Dessen Grundton erschien nüchtern, was institutionell zu erklären ist. Es folgte eine Erörterung über die Vorgeschichte; dass das Gespräch mit dem Sendungsmachenden gesucht wurde, Tipps und Tricks zur Verbesserung der Sendung gegeben wurden, dass es dem Polittalk nicht gelingt einen halb neutralen Standpunkt einzunehmen und dass die verwendeten Quellen umstritten sind und nicht den journalistischen Grundregeln entsprechen. Es wird nur eine Quelle (Redfish/Russia Today) verwendet.

Es wird dazwischen gerufen. Der Sitznachbar von den CIG-Mitgliedern widersetzt sich lautstark dem Kommissionentscheid. Der Moderator ist gezwungen Raum für eine Diskussion zu bieten. Es kommen Fragen aus dem Publikum. Pro’s und Kontra’s für beide Seiten. Schliesslich verkam die Diskussion zu einer Grundsatzdiskussion über Sinn und Unsinn einer Entscheidung durch die Hauptversammlung, da ja eben für solche Anliegen die Programmkommission gewählt wird/wurde.

Kurz gefasst: der Sendung wurde der Sendeplatz durch einen demokratischen Mehrheitsentscheid der Hauptversammlung entzogen.

Auch dieser weitere CIG-Besuch einer basisdemokratischen Versammlung war eindrücklich.

Er zeigte das Konfliktpotenzial von solch offenen Entscheiden. Emotionen werden immer angeregt, es wird immer laut. Denn eine Gruppe fühlt sich übergangen. Die Programmkommission wollte einerseits den Sendungsmachenden nicht diskreditieren, andererseits seine eigene Daseinsberechtigung nicht in Frage stellen, denn sie wurde schliesslich gewählt um die Senderqualität zu überprüfen. Es stellt sich nun die Frage: Wer kontrolliert das Kontrollorgan? Denn für die korrekte Meinungsbildung hätte sich jedes Mitglied zu Hause vorbereiten und informieren müssen. Dies wäre durchaus möglich gewesen, wurde aber grösstenteils nicht getan und somit eine neutrale Entscheidung für jedes Mitglied schwierig.

Das Gemüt lechzte nach einem Feierabendbier – und unaufgeregten Schlaf. Somit erstaunt es nicht, dass das Vertrauen der Sendungskommission geschenkt wurde und der zur Debatte stehenden Sendung die Möglichkeit genommen wurde weiter Sendungen zu produzieren.

Am Ende bleibt die unbeantwortete und nicht gestellte Frage: “Was hat der Sendungsmachende aus dem Konflikt gelernt und mitgenommen für seine weiteren Produktionen?” – ergänzend: “Was hat die RaBe-Programmkommission aus dem Konflikt gelernt und mitgenommen für seine weiteren Qualitätsermahnungen? Wird jemals wieder ein Entscheid zu einer Sendung vor die Hauptversammlung gebracht?”

Wir wünschen beiden Parteien, dass sie kurz innehalten und sich hinterfragen. Um alsdann mit eben so viel Herzblut weiterzumachen. Solches Engagement braucht das Land.

Das Beitragsbild zeigt die Kirchenfeldbrücke im Jahr 1906.

Quelle: http://expoarchiv.ch/pictures/bern_stadt/bak43_kirchenfeld.jpg